Nach der Wanderung "Lechquell Durchquerung" im letzten Jahr habe ich mich dieses Jahr wieder für eine Hüttenwanderung angemeldet, diesmal eine Hochtour "Vom Kleinwalsertal in die Silvretta". Am dritten Sonntag im August ging es ab 9 Uhr los von Baad im Kleinwalsertal über den Hochalppass nach Lech. Von Lech aus nahmen wir die Seilbahn zum Rüfikopf, um dann über die Raukopfscharte die Stuttgarter Hütte auf 2310m Höhe zu erreichen. Das Wetter war prima.

Am Montag ging es dann zunächst hinunter nach Zürs. Zürs ist ein Wintersportort, wo im Sommer eigentlich niemand da ist, es gibt wohl aktuell nur 14 Einwohner, die ganzjährig dort wohnen. Aber die Toiletten an der Seilbahnstation waren geöffnet und auch ein Getränkeautomat war bereit. Es hatte beim Abstieg schon begonnen zu regnen. Von dort aus gingen wir über Alpe Rauz zur Kaltenberger Hütte. Kurzzeitig regnete es nicht, aber dann eine Stunde vor Erreichen der Hütte regnete es stark. Um 14 Uhr waren wir total naß in der Hütte. Sowohl die Schuhe als auch die Kleidung trocknete im Trockenraum der Hütte nicht, es waren einfach zu viele Sachen, so dass die Luftfeuchtigkeit im Trockenraum so hoch war, dass nichts trocknete.
Kaltenberghütte 2100m
Für den Dienstag war auch Regen angesagt. Aber wir mußten ja weiter zur nächsten Hütte, es war die Konstanzer Hütte. Wir gingen also im Regen los. Dabei hatten wir noch einen Gipfel im Programm, die Krachelspitze auf 2686m Höhe.

Die nahmen wir mit, aber eigentlich lohnte es nicht, denn es war nur starker Wind und Regen. Es ging dann etwas abwärts und wieder hinauf zum Gstansjöchel. Kurz danach ließ der Regen nach und wir legten endlich mal eine längere Rast ein. Der Regen hörte sogar ganz auf und um 14 Uhr erreichten wir die Konstanzer Hütte. Hier waren sogar Tagesgäste, da diese Hütte auch gut für Wanderer und Radfahrer erreichbar ist.
Am Mittwoch schien dann früh die Sonne und wir hatten einen schönen Wandertag. Es ging zunächst auf den Fahrweg und dann etwas steiler durch das Schönverwall zur Richtung Heilbronner Hütte.
Schönverwall
Vorbei an der Heilbronner Hütte ging es zum Kops-Stausee. Von hier ging es mit dem Linienbus zur Bieler Höhe, von wo aus wir dann nach zwei Stunden Fußweg die Wiesbadener Hütte auf 2443m erreichten. Zum Abendbrot kam noch ein weiterer Bergführer zu uns. Denn morgen sollte der Höhepunkt unserer Wanderung sein, der Piz Buin. Die wenigsten von uns hatten schon Erfahrung mit Steigeisen über den Gletscher zu gehen und mit Seilsicherung einen Gipfel zu erreichen. Wir bereiteten also nach dem Abendbrot unsere Ausrüstung vor. Einzige Unsicherheit war das Wetter, denn es sollte gegen Mittag zu regnen beginnen. Also entschieden die Bergführer, schon um halb sechs zu starten. Das taten wir auch, die erste halbe Stunde mit Stirnlampen.
Als wir den Ochsentalgletscher erreichten war vom Gipfel des Piz Buin nichts mehr zu sehen, er war komplett von Regenwolken verhüllt. Nach einer kurzen Abstimmung entschieden wir uns deshalb an Stelle des geplanten Gipfels das Silvrettahorn zu besteigen.

Um 08:45 begannen wir am Rande des Gletschers mit dem Aufstieg. Die Steigeisen und Eispickel ließen wir einfach liegen.
Es war ein sehr anspruchsvoller Aufstieg. Wir gingen in zwei Gruppen. Um kurz vor zehn Uhr erreichten wir den Gipfel. Ohne Bergführer wäre ich an manchen Stellen nicht weitergegangen. Ohne Erfahrung sollte man so einen Gipfel nicht alleine hochgehen. Es war oben etwas windig und immer wieder nur Wolken. Eine schöne Aussicht konnten wir leider nicht genießen, nur mal für Sekunden war freie Sicht.
Also ging es nach dem Gipfelfoto auf 3244m Höhe auch gleich wieder runter. Den gleichen Weg wieder über den Gletscher, dann haben wir nicht den exakt gleichen Weg des Aufstieges gefunden, so dass wir uns an einer Stelle sogar abgeseilt haben. Es fing dann auch wie vorausgesagt an zu regnen. Um 14 Uhr erreichten wir wieder die Wiesbadener Hütte. Eine andere Gruppe war auf den Piz Buin, mit 3312m nur relativ wenige Höhenmeter mehr als das Silvrettahorn. Aber die berichteten, dass sie auch nichts gesehen haben, das der Gipfel voll in den Wolken war. Wir waren über das Highlight unserer Tour zufrieden und am Freitag ging es nur noch wieder runter zur Bieler Höhe, von dort mit dem Bus zur Bergschule.

Die Berghütten haben alle einen guten Standard, auf allen Hütten war diesmal warmes Wasser, was nicht immer gegeben ist. Das Abendessen ist immer ein 3-Gänge-Menue mit Vorsuppe (oder Salat), Hauptspeise und Nachtisch (Sachatorte, Kuchen, Pudding). Es gibt auch immer eine vegetarische Hauptspeise zur Auswahl. Die Hütten sind immer gut besucht und man sollte besser im Voraus buchen, sonst bleibt als Nachtlager nur der Gastraum mit eigener ISO-Matte.
Ich bin gespannt, ob ich noch einmal eine Hüttentour machen werde.
